Ich hatte ja heute schon was über den heutigen Tag gebloggt. Allerdings war das die leichte Seite …. Jetzt will ich was über die ernsten Dinge schreiben, die mich beschäftigt haben.

Es ist halb 10 als ich umgezogen auf der Station stehe und man mir sagt das ich der kleinen blonden Schwester aus dem dritten Lehrjahr erstmal hinterher laufen soll. Gesagt, getan… es soll eine Patientin umgelagert werden. Ich schätze die Frau auf jenseits der 70 … wahrscheinlich sogar noch älter …. Hat Diabetes, Pneumonie und noch mehr Krankheiten an die ich mich nicht erinnern kann. Die beiden Schwestern wollen dann auch gleich diese Windelartigen Gebilde entfernen und ich sehe das erste mal einen Menschen jenseits der 40 nackt. Ich weiß nciht wie ich dieses Gefühl beschreiben soll. Ich hatte mit mehr Abscheu und weniger Respekt in mir gerechnet. Aber das Gegenteil war der Fall. Ich hatte Mitleid und verdammt viel Respekt. Die Frau kämpfte gegen die Versuche, sich eine neue von diesen Windeln anziehen zu lassen an. Sie zog die Beine zusammen und schrie! Wobei das schreien bedingt durch die Pneumonie eher einem Gurgeln gleich kam. Ich denke an das Alter der Frau und mir kommt zwangsläufig in den Sinn, das sie im Krieg eines der vielen unzähligen Vergewaltigungsopfern geworden sein muss. Nur so konnte ich mir ihre Reaktion erklären, das sie solche Angst ausstrahlte. Dank der geschickten Hände der Schwerstern hatte das grausige Schauspiel aber schnell ein Ende und ich konnte beide Seiten verstehen. Die alte Dame die da nun wehrlos in ihrem Bett lag. Aber auch das vielleicht etwas beherzte vorgehen der Schwestern. Heutzutage ist die Pflege keine Barmherzigkeit mehr, sondern ein knallhartes Geschäft.       – Leider –

Nachdem ich diesen ersten kleinen Schock verdaut hatte ging es zu einem anderen Patienten aufs Zimmer. Er war resolut und wollte gerne etwas über den Fuß haben, damit er auf Klo gehen könne. Das komplette Zimmer war eigentlich voll von diesen Jungs. Allesamt und teilweise weit jenseits der 60. Einer sogar schon über 90. Waren aber am Sprüche reissen wie am Stammtisch der Handwerksmeister. Jedenfalls wollte der eine rüstige Rentner gerne aufs Klo, ging aber nicht. Er hielt mir und der Schwester seinen Fuß entgegen… oder zumindest, was davon übrig war. Ich fragte die Kollegin später, was das für ne Wunde war. Ihre Antwort: „Amputation der Zehen, bis auf den großen. Die Wunde ist aber nie ganz verheilt.“

o.O .. nie ganz verheilt? da klaffte ne Wunde von der Größe des Ladegeräts meines Handys. Und zwar in Hohe x Breite x TIEFE!! Nicht das mich der Anblick gestört hätte. Das war nicht das Problem. Nur wie kann es sein, das nach der OP dann noch so ein riesen Loch da ist?

Den Rest fand ich mehr oder minder unspektakulär. Abgeraspelte Haut für ne Transplantation an der Ferse. Blutige Zehennägel….

Und halt der Kotgeruch…

Trotzalledem… Ich fühlte mich derart bestätigt in meiner Berufswahl…

Genau das möchte ich machen. Trotz aller Wiedrigkeiten, die der Job mit sich bringt. Dann hab ich halt Schichtdienst.. na und? Muss an Feiertagen arbeiten… mir doch egal! ( Ich mag Weihnachten eh nicht ) .. Es ist stressig … mir eh lieber als Langeweile… Ich muss gefordert werden.

Andere nenne das Vorzüge mit geregelten Arbeitszeiten und Wochenende wie Feiertags frei. Nur was bringen mir die, wenn mir die Arbeit keinen Spass macht??

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