Unter diesen Schlagwörtern stand mein zweiter Tag. Oder kurz zusammen gefasst. Verantwortung übernehmen. Der Wecker bimmelte um 4. Ich habe noch nicht rausgefunden, wie man diese Tageszeit nennt. Für ein „Guten Morgen“ ist es jedenfalls zu früh. -.-

Ich hab noch nicht rausgefunden, wie ich zur Arbeit gekommen bin. Ich wurde langsam wacher als ich um 6 im Schwesternzimmer saß mitm Pott Kaffe in der Hand. Mir gegenüber der Pfleger von der Nachtschicht. Michael war etwa so alt wie meine wenigkeit und sah so aus, wie ich mich fühlte. Sogar der Grund war ähnlich. Ich kam gerade aus dem Bett und er war reif dafür.

Die Übergabe war relativ unspektakulär.. Ich habe auch einiges verstanden nur habe ich noch Probleme mir zu merken, wie die Patienten heißen und auf welchem Zimmer sie liegen. So gegen halb 7 geriet die Maschinerie „Pflege“ ans laufen… für 2 Minuten noch langsam und plötzlich rotierte alles um mich herum. Unsere Schwester in spe die mich gestern so toll mit rumgenommen hatte, war diesen Tag mit ihrer Praxisanleitung beschäftigt und dafür kam ein anderer Pfleger zu uns auf die Station. Ich glaube er hieß Michael.

Ich wurde von einer Schwester mitgenommen die einige ähnlichkeit mit ner Arzthelferin von meinem Hausarzt hatte… Ich stürzte den letzten Schluck Kaffee ( irgendwann muss das Zeug ja anschlagen )…

Es ging ans Patienten waschen. Waschen durfte ich nicht selber, aber ich habe der Schwester doch schon ziemlich gut geholfen. Sie erklärte mir so Grundprinzipien ( Kopf-Fuß/Vorne-Hinten ).. Sachen wie erst Gesicht und dann Po gebühren des Menschenverstandes. ( Yesss.. der Kaffee wirkt )

Während des Waschens dann auch gleich die erste Aktion des Tages.. die Schwester war kurz aus dem Zimmer Verbandszeug holen, da der Hr. Michaelski 😉 eine offen Schürfwunde hatte. Der Patient sah mich an und meinte wir sollten ihn doch einfach erschiessen.
Wowowowowooooow!!! Moment.. so haben wir nicht gewettet alter Mann. Es ist morgens halb 7. Der Kaffee hat gerade mal angefangen zu wirken und ich bin den zweiten Tag hier. Kannst du damit nicht warten bis die Schwester da ist und ich lerne von ihr, wie man mit sowas umgeht?
„Aber nicht doch. Sie haben doch noch ein weilchen und bestimmt sind sie bald wieder hier raus und ihnen gehts besser.“ ( Keine Ahnung ob ich das so sagen durfte.. aber mir fiel in dem Moment nix besseres ein )

Danach kam erstmal ein das Frühstück, die Kollegin hatte den Blutzucker gemessen und wir verteilten. Die Patienten waren alle wach, waren gewaschen oder hatten sich selbst gereinigt und liessen sich ihr Frühstück schmecken. Ein paar der Schwestern gingen sich auch was zu Essen holen. Ich war mit Kaffee zufrieden. Mir wollte man auch was zu Essen andrehen, aber ich hatte keinen Hunger. Kaffee hielt gerade meine Welt zusammen und ich grübelte ein bisschen über den Hr. Michaelski.

Vorbei war sie die Frühstückspause und man fing wieder an zu rennen. Nur etwas war anders. Am Anfang sollte ich mir die Abläufe nach dem Frühstück ansehen und heftete mich an 2 Schwestern die gerade die Betten neu bezogen. Ich lief mit, und eine der beiden fragte ob ich sowas schonmal gemacht habe. Ich sagte ihr frei heraus „nö“, aber das ich zuhause ja auch Betten beziehe.. kann ja dann da auch nicht so schwer sein. Sie grinste hämisch, sagte mir einmal, wo ich Bettwäsche finde und welches ich umziehen sollte. Sie sagte mir was ich brauche, da ein Kissen schon sehr … grenzwertig war.

Ich griff mir alles, ging zum Patienten und die Schwester kam danna uch nochmal kurz ins Zimmer. Legte mir noch was hin und ward erstmal ausser Reichweite. Ich bezog das Bett. Laken, Kissen, Decke… MIST! Steckdecke vergessen, den mir die Schwester noch hingelegt hatte. also einfach alles richtung Kopfende gerollt. Steckdecke unters Laken und fertig. Bin ich nicht ein Prachtjunge :-).

Die siffigen Sachen entsorgt und dann Spalier bei der Schwester gestanden und Vollzug gemeldet. Ein Patient müsste zum Röntgen. Schwester Lustigisse und Schwester Issehrnett sprachen sich kurz ab. Ich sollte mit Schwester Lustigisse den Patienten zum Röntgen bringen. Rolli gegriffen und mitm Patienten zum Röntgen. Die Schwester vom Röntgen empfing uns auch gleich und nahm ihn uns ab. Sie würden sich melden, sobald sie ihm den Magen vom Fuss aus durchleuchtet haben.

Ich bekam ein paar Botengänge auf Stationen wo ich schonmal war. Nur durfte ich diesmal alleine gehen. ( Ich dachte mir … Super.. für den zweiten Tag ). Botengänge wurden erledigt und schon gings wieder zum Röntgen. Diesmal wieder alleine. Ich hab den Patienten abgeholt und eine halbe Stunde später wieder hingebracht. Warum sie ihn nicht gleich dabehalten haben wenn sie noch nicht fertig waren is mir auch nen Rätsel. Zumal er ja nicht Blind, Dement oder sonstirgendwie auf Hilfe angewiesen war. Ausser beim Laufen.

Wir brachten die PatientINNen zur Endoskopie, in den OP, Röntgen. Holten sie dort wieder ab. und eh ich mich versah, war es 10 Uhr. Man was die Zeit vergeht, wenn man Spass hat. Schwester Langeshaar gab mir den Auftrag von 2 Patienten im halbstundentakt Puls, RR und die Wunde / bzw. den Verband zu untersuchen. Die erste Runde hatte sie gemacht und mri dann erklärt, worauf ich achten habe. Ich hatte 2 Minuten zeit und konnte mir die Bilder im Schwesternzimmer ansehen. 2 Hochzeitsbilder waren auch mit bei. Die Schwestern waren jeweils verheiratet mit einem Michael. o.O?

Der Rest waren wieder Botengänge und Patienten zu einzelnen Stationen bringen und holen. Inzwischen komplett alleine und ich bekam wieder die nächsten Einsätze zum BZ messen. Da wir knapp in der Zeit waren, hab ich mir das mit Schwester Lustigisse geteilt und los gings. Leider hats bei mir etwas länger gedauert und ich hatte die halbstundliche Untersuchung der beiden Patienten aus dem Auge verloren. Mit 15 Minuten verspätung hab ich das dann auch gepackt. Der Schwester Langeshaar bescheid gegeben. Sie meinte das sei ok. ( wirklich?? )

Der Tag näherte sich der Mittagszeit und die Schwester in spe war so langsam durch mit ihrer Praxisanleitung. Der Praxisanleiter fragte kurz bevor er so geht, wie ich mich mache. Ich stand nun da zwischen Schwester in spe, Schwester Langeshaar und Schwester Lustigisse mit gaaaaaaaaaaaaaaanz spitzen Ohren. Welche ich gar nicht brauchte. Alle 3 antworteten wie aus der Pistole geschossen und vorher abgesprochen mit „Gut“ und wollten mir auch schon einen Vertrag für ne Krankenpflegerausbildung geben. ( Und das am zweiten Tag … Irgendwas mach ich richtig 🙂 )

Summasummarum war der Tag für mich ein voller Erfolg. Man traut mir mehr zu und ich hoffe man merkt, das ich mir Mühe gebe. Eine traurige Sache gab es aber noch zum Schluss. Als wir die Patientin mit Pneumonie umgelagert haben, mussten wir sie gleich noch saubermachen. Wir drehten sie zu mir.. Ich sah ins Gesicht und auch wenn die Frau sich sonst nicht ausdrücken kann. Tränen sagen manchmal mehr als es 1000 Worte könnten.

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