Ich weiß nicht, ob es allen Krankenpflegeazubis so ging/geht/gehen wird.
Mir jedenfalls geht der Arsch jedenfalls gerade etwas auf Grundeis.
Für alle die den Einblick in die Ausbildung nicht haben, will ich das mal wie folgt darstellen. Im ersten Ausbildungsjahr wird man viel gefordert. Jede Menge neues Wissen, Anatomie, Latein und spannende Geschichten im und ums Krankenhaus und den Kollegen. Das zweite Lehrjahr gestaltet sich dann mehr so nach … Kenn ick schon und hab ick schon und man steckt wie bei der Jugendweihe (Ick weiß nicht wie das bei den Christen heißt.. Kommunion? war das nun Kath. oder Evang.?) zwischen diesen „Nicht mehr und noch nicht“. Man ist nicht mehr ganz unbedarft, kann aber noch lange nicht alles und es wird einem auch nicht wirklich viel zugetraut. Man muss sich alles erkämpfen. So dümpelt das zweite Jahr halt dahin und man hat eigentlich zu nix ne Motivation. Und wenn man dann noch so eine tolle Schulplanung hat wie unsere, wo zwischen 2 Urlauben den Azubis ganze 8! Monate mit Arbeit und Schule gepackt werden, ist es mit der Motivation eh nicht so super. Nunja. Kommen wir zu Jahr 3.
Oder besser gesagt der Schnittstelle zwischen Ausbildungsjahr 2 und 3. Plötzlich ist das Examen in greifbarer Nähe und die Schule bittet einen doch mal hier und da ein Blättchen für das Examen auszufüllen. Plötzlich wird man aus seinem Einjährigen Semischlaf geweckt und bekommt den Hammer so richtig vor die Nase.
Frage: Wunschbereich fürs Examen? -> Antwort: Hab ick mir noch keine Gedanken gemacht.
F: Warum nicht? Sollten sie aber. Bis morgen brauch ich den Zettel. A: Die Klasse versucht einen mehr oder minder demokratischen Weg für die Verteilung der (teilweise begrenzten Plätze z.B. Psych 4) zu gestalten und „bekommen wir Aufschub?“.

In einem selber prügeln sich Motivation und Gewissen mit dem Schweinehund und es gewinnt meistens wer? Richtig…
Und es taugt ein mulmiges Gefühl auf. Dieses Gefühl wirklich nix zu können oder zu wissen außer den einfachsten „Handlangerarbeiten“.
Anatomie? Uff. Ist nen Jahr her.
Prophylaxen? Krankheitsbilder? Behandlungsmethoden? Eigentlich immer die selbe antwort. -> Ist nen Jahr her. Schliesslich hat man das zweite Jahr (gefühlt) sein Hirn abgeschaltet um ihm nach dem ersten etwas Regeneration zu gönnen.
Doch dann das. Neuer Einsatz!!!

Und hört, hört.. (es klingt wie Musik in den Ohren) -> die Anästhesie

Man ist innerlich wieder Kind. Freut sich wie auf was neues zu spielen und man ist auf Station und liest die ersten Diagnosen, Abkürzungen und es steigt einem wieder der Geruch von Desinfektionsmittel in die Nase. Die ersten Dinge fallen noch schwer aber dank der bombastischen Kollegin die einem gleich was zutraut und man selbst auch wieder Freude gefunden hat an dem was man mal voller Ideologie und Elan angefangen hat. -> Die Ausbildung zum Krankenpfleger. (In meinem Falle. Für Frauen gilt dieses Selbstverständnis natürlich auch)
Und so kam man nach einem gequältem Jahr und einer Schule die in Kommunikationsarmut etwa den selben Ruf wie Siemens geniessen müsste wieder voll rein.

Ich wurde gefordert. EKG anlegen (vorher nie gemacht), mit BTM* umgehen als wäre es Paracetamol (vorher durfte ick nichtmal an den BTM-Schrank, weil die Stationsleitung schiss hätte ick würde es wohl an der nächsten Strassenecke verkaufen oder so), OP-Vorbereitung teilweise selbstständig machen dürfen und das am ersten Tag!

Und was bleibt ist die Feststellung das man vielleicht nicht ganz so doof ist, wie man selber denkt und die Hoffnung, das es den Azubis früher auch so ging und sie trotzdem ihr Examen gemacht haben.

Jetzt geniesse ich erstmal 4 Wochen Anästhesie 🙂

Advertisements